
Kürzlich war ich das erste Mal in meinem Leben in den Niederlanden und bevor unsere Tagesreise nach Groningen begann, wies mich meine Freundin Romy (Zombiekatze) darauf hin, dass in unserem Nachbarland “die Pille danach” nicht verschreibungspflichtig ist und sogar frei zugänglich in den Drogerien verkauft wird (für gerade mal vierzehn Euro). Ich wusste bisher nur von der bis dahin gesetzlichen Lage in Deutschland und war deshalb gleich hellhörig, weil ich die Pille danach als Notfallverhütung gerne Zuhause haben wollte. Bisher hatte ich sie noch nie nötig, aber mir gibt dieses Medikament in meinem Schrank ein Gefühl von Sicherheit. Ich habe etwas, falls doch mal irgendwas schief läuft. Ich muss nicht schwanger werden, wenn ich mich noch nicht bereit dazu fühle.
Ein Horror würde es für mich werden, wenn ich irgendwann mal in großer Aufregung und am Besten noch abends an einem Wochenende irgendwo einen Arzt auftreiben und unangenehme Fragen über mich ergehen lassen müsste, um mir dann ein über dreißig Euro teures Medikament aufschreiben zu lassen. Ha. Und gerade bei der Pille danach kommt es auf Schnelligkeit an, ansonsten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Präparat nicht wirkt. Ich weiss nicht wie es euch geht, aber mir macht alleine der Gedanke daran riesige Panik. Mit Verhütung gehe ich sehr verantwortungsbewusst um, aber ich würde den Gedanken nicht los bekommen mich wie eine Verbrecherin zu fühlen, wenn es doch mal zu dieser Situation bei einem Arzt kommen sollte. Obwohl ich weiss, dass ich nichts falsch gemacht habe und es legitim ist im Ernstfall die Pille danach einzunehmen, finde ich das peinlich und den Arztbesuch demütigend. Denn ich bin in der Lage selbst über meinen Körper zu entscheiden und deswegen sollte ich auch das Recht haben tatsächlich entscheiden zu dürfen.
Wie der Zufall so wollte, ging nur wenige Tage nach meiner Reise die Meldung durch die Presse, dass die Pille danach nun auch in Deutschland ohne Rezept zu bekommen sein wird. Dieser Schritt ist nicht nur eine große Überraschung, sondern ein Grund zum Feiern.
Der Waschbär weiss:
“Die Pille danach ist ein Notfallverhütungsmedikament, was den Eisprung hemmt oder verschiebt und – rechtzeitig eingenommen – das Einnisten der befruchteten Eizelle verhindert. Es gibt zwei Hormonpräparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen: Die “PiDaNa” mit Levonorgestrel muss spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, die “ellaOne” mit Ulipristalacetat spätestens nach 120 Stunden. Da die Pille danach nicht mehr wirkt, wenn sich die befruchtete Eizelle bereits eingenistet hat, ist diese auf keinen Fall mit der Abbruchpille oder gar einer Abtreibung zu verwechseln.”
Ich habe ein paar lesenswerte Artikel zur Pille danach zusammengetragen. Ersterer ist ein erschreckender Erfahrungsbericht und gleichzeitig Appell, in dem deutlich wird, weshalb es gut ist, dass die Pille danach rezeptfrei wird.
- „Das ist nicht mein Problem“ – die irrsinnige Rezeptpflicht für die Pille danach, gefunden auf KleinerDrei
- Pille danach bald in Deutschland rezeptfrei? auf I heart digital life
- “Pille Danach”-Präparate werden rezeptfrei, bei der Mädchenmannschaft
Ein großes Dankeschön muss ich euch noch da lassen. DANKE für das umwerfende Feedback zu den bisherigen Womanhood-Artikeln und auch für die vielen Nachfragen in den letzten Monaten. Ich will versuchen die Serie wieder ein bisschen öfter zu füttern. Ideen habe ich jede Menge und bei ein paar Menschen von euch muss ich mich diesbezüglich sowieso endlich mal zurückmelden. Habt einfach vielen vielen Dank für den Austausch, euer Interesse und generell für eure ganzen Worte.

