Kürzlich schrieb ich einen knappen Artikel zur Pille danach, weil ich mich so freute, dass diese nun endlich rezeptfrei erhältlich sein wird, so wie übrigens in beinahe allen anderen EU-Ländern. Dieser Artikel war Anlass für sehr viel gemischtes Feedback eurerseits, ob nun hier in den Kommentare, auf Facebook oder auch per Mail. Das finde ich toll und ich bedanke mich bei euch! Da mein Artikel aber das Thema nun nicht rundum beleuchtete und eher dazu diente die verlinkten Artikel anderer Blogger*innen, die bereits sehr gut darüber schrieben, zu verbreiten, will ich heute noch ein bisschen nachlegen und auf euer Feedback eingehen.

Die rezeptfreie Pille danach:
- ermöglicht einen selbstbestimmten Umgang, keine Bevormundung von Frauen (Selbstbestimmungsrecht von Frauen)
- erspart den oftmals schwierigen Arztbesuch, der von vielen Frauen als beschämend empfunden wird
- wird trotzdem nur mit einem Beratungsgespräch in einer Apotheke abgegeben
- ist schneller verfügbar und Schwangerschaften können daher mit höherer Wahrscheinlichkeit vermieden werden
- ist bereits in fast allen anderen EU-Ländern seit Jahren frei erhältlich
- wird deswegen trotzdem nicht „wie Smarties“ konsumiert (derStandard über die Entwicklung in Österreich, seitdem dort die Pille danach rezeptfrei wurde)
- verleitet junge Menschen nicht weniger oder mehr dazu ihre Sexualität zu erforschen
- hätte mir zum Beispiel auch meinen „Sicherheitskauf“ in den Niederlanden erspart 😉
Für mich entscheidend und ein klares Pro rezeptfreie Pille danach, ist der Umgang mit Betroffenen. Ich hatte euch im letzten Artikel zu diesem Thema ja einige Berichte verlinkt und auch von euch kamen viele viele hinzu.
Natürlich gibt es auch Beispiele von Frauen und Mädchen, die die Pille danach ohne große Schwierigkeiten beim Arzt erhalten haben. Ich möchte euch jedoch bitten, die schlechten Erfahrungen von Frauen und Mädchen und das Problem darum nicht kleinzureden, nur weil es bei euch glücklicherweise anders lief. Wir sind alle unterschiedlich gestrickt und gehen mit verschiedenen Situationen unterschiedlich um. Wir alle haben eine Vorgeschichte, die uns vielleicht in manchen Momenten ängstlicher, kleiner und befangener macht, als man normalerweise ist oder sein möchte.
Ich kann nicht davon ausgehen, dass Jeder die gleichen Voraussetzungen hat. Bei der Pille danach geht es nicht nur um Frauen, die zum Beispiel in einer festen Beziehung sind und dessen Verhütungsmethode versehentlich versagt hat. Es geht auch um Frauen, die nach einer Vergewaltigung die Pille danach benötigen, aber vielleicht nicht sofort die Kraft haben um in ein Krankenhaus zu gehen, sich schämen und vielleicht auch große Angst vor der dortigen Befragung und Untersuchung haben. Es geht um Trans*Menschen, für die vielleicht eine Schwangerschaft hochproblematisch wäre und die womöglich an einen Arzt geraten, der sie auch noch zusätzlich aufgrund ihrer Sexualität verurteilen. Es geht aber auch um junge Mädchen, die keinen Halt in ihrem Elternhaus finden und nicht die Möglichkeit haben auf die Schnelle an einen Arzt zu kommen. Die Probleme die sich bei einer nicht rezeptfreien Pille danach auftun, sind mindestens genauso individuell wie die Menschen, die sie benötigen. Das zeigt besonders die Einsendung einer jungen Leserin, die mich bat ihren Bericht hier zu veröffentlichen.
Ich kann nicht davon ausgehen, dass Jeder die gleichen Voraussetzungen hat. Bei der Pille danach geht es nicht nur um Frauen, die zum Beispiel in einer festen Beziehung sind und dessen Verhütungsmethode versehentlich versagt hat. Es geht auch um Frauen, die nach einer Vergewaltigung die Pille danach benötigen, aber vielleicht nicht sofort die Kraft haben um in ein Krankenhaus zu gehen, sich schämen und vielleicht auch große Angst vor der dortigen Befragung und Untersuchung haben. Es geht um Trans*Menschen, für die vielleicht eine Schwangerschaft hochproblematisch wäre und die womöglich an einen Arzt geraten, der sie auch noch zusätzlich aufgrund ihrer Sexualität verurteilen. Es geht aber auch um junge Mädchen, die keinen Halt in ihrem Elternhaus finden und nicht die Möglichkeit haben auf die Schnelle an einen Arzt zu kommen. Die Probleme die sich bei einer nicht rezeptfreien Pille danach auftun, sind mindestens genauso individuell wie die Menschen, die sie benötigen. Das zeigt besonders die Einsendung einer jungen Leserin, die mich bat ihren Bericht hier zu veröffentlichen.
Hallo Erbse!
Ich habe letzte Woche deinen Artikel zur Pille danach gelesen und hatte heute den Geistesblitz dir meine kleine Geschichte zur „Pille danach“ zu erzählen. Falls das für deine Leserinnen interessant sein könnte, kannst du den Text gerne veröffentlichen! Für mich kommt die rezeptfreie „Pille danach“ ein bisschen zu spät und ich glaube, dass ich in meiner Situation kein Einzelfall war.
Ich war damals sechzehn als ich mit einem Jungen mein erstes Mal hatte. Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie unsicher und aufgeregt ich war. Und gleichzeitig war ich einfach mächtig verliebt. Ja, blöd nur… wir haben nicht richtig verhütet. Zwar hatte er ein Kondom benutzt, aber das wohl nicht korrekt. Ich nahm zu der Zeit keine Pille und verhütete auch nicht irgendwie anders, weil ich dafür hätte zum Frauenarzt gehen müssen. Mein Elternhaus ist sehr konservativ und wir sprachen nie über Sex. Deswegen war auch klar, dass ich in meinem Alter keinen haben sollte. Das war etwas Verbotenes. Und zum Frauenarzt müsste ich in meinem Alter sowieso schon mal gar nicht! Jetzt hatte ich aber mit diesem Jungen geschlafen und mein schlimmster Alptraum wurde war. Ich brauchte die Pille danach. Das wusste ich! Ironischerweise hatten wir erst wenige Wochen vorher in der Schule darüber geredet. Nur woher sollte ich die bekommen und wie? Meinen Eltern konnte ich unmöglich Bescheid sagen. Ich hatte Angst und die Hemmschwelle war viel zu groß. Also wartete ich erstmal einen Tag ab und versuchte mich nicht verrückt zu machen. Ich machte mich aber doch verrückt und googelte deswegen wo ich die Pille danach herbekommen könnte. In der Apotheke wurde ich abgewiesen und auf ein Krankenhaus verwiesen. Du, ich hatte echt Muffensausen! Aber ich habe mich dann doch ein paar Stunden später hingetraut. Nach langen Warten war ich das erste Mal bei einem Frauenarzt, der kein Verständnis für meine Situation hatte und wild auf mich einredete bis ich anfing zu weinen. Und selbst dann hörte er nicht auf mir den Moralfinger zu zeigen. Dann musste ich mich ausziehen und ein Ultraschall wurde gemacht. Er sagte am Ende des Untersuchung, dass ich mit meinen Eltern zurück kommen solle und erst dann könnte er mir die „Pille danach“ verschreiben.
Erst jetzt im Nachhinein weiss ich, was da alles falsch gelaufen ist und wie viel Vertrauen das bei mir kaputt gemacht hat. Ich hab die Pille danach letztendlich echt noch bekommen, nachdem ich mit meiner Mutter dort war, die aus allen Wolken fiel und wochenlang sauer auf mich war. Aber weisst du was? Aus dieser schlimmen Zeit ist etwas ganz Tolles entstanden! Ich bin nähmlich mittlerweile glückliche und stolze Mutter meines zweijährigen Sohnes, der einfach alles auf der Welt für mich bedeutet. Trotzdem möchte ich sowas wie damals nie wieder erleben müssen!
Ich habe letzte Woche deinen Artikel zur Pille danach gelesen und hatte heute den Geistesblitz dir meine kleine Geschichte zur „Pille danach“ zu erzählen. Falls das für deine Leserinnen interessant sein könnte, kannst du den Text gerne veröffentlichen! Für mich kommt die rezeptfreie „Pille danach“ ein bisschen zu spät und ich glaube, dass ich in meiner Situation kein Einzelfall war.
Ich war damals sechzehn als ich mit einem Jungen mein erstes Mal hatte. Du kannst dir bestimmt vorstellen, wie unsicher und aufgeregt ich war. Und gleichzeitig war ich einfach mächtig verliebt. Ja, blöd nur… wir haben nicht richtig verhütet. Zwar hatte er ein Kondom benutzt, aber das wohl nicht korrekt. Ich nahm zu der Zeit keine Pille und verhütete auch nicht irgendwie anders, weil ich dafür hätte zum Frauenarzt gehen müssen. Mein Elternhaus ist sehr konservativ und wir sprachen nie über Sex. Deswegen war auch klar, dass ich in meinem Alter keinen haben sollte. Das war etwas Verbotenes. Und zum Frauenarzt müsste ich in meinem Alter sowieso schon mal gar nicht! Jetzt hatte ich aber mit diesem Jungen geschlafen und mein schlimmster Alptraum wurde war. Ich brauchte die Pille danach. Das wusste ich! Ironischerweise hatten wir erst wenige Wochen vorher in der Schule darüber geredet. Nur woher sollte ich die bekommen und wie? Meinen Eltern konnte ich unmöglich Bescheid sagen. Ich hatte Angst und die Hemmschwelle war viel zu groß. Also wartete ich erstmal einen Tag ab und versuchte mich nicht verrückt zu machen. Ich machte mich aber doch verrückt und googelte deswegen wo ich die Pille danach herbekommen könnte. In der Apotheke wurde ich abgewiesen und auf ein Krankenhaus verwiesen. Du, ich hatte echt Muffensausen! Aber ich habe mich dann doch ein paar Stunden später hingetraut. Nach langen Warten war ich das erste Mal bei einem Frauenarzt, der kein Verständnis für meine Situation hatte und wild auf mich einredete bis ich anfing zu weinen. Und selbst dann hörte er nicht auf mir den Moralfinger zu zeigen. Dann musste ich mich ausziehen und ein Ultraschall wurde gemacht. Er sagte am Ende des Untersuchung, dass ich mit meinen Eltern zurück kommen solle und erst dann könnte er mir die „Pille danach“ verschreiben.
Erst jetzt im Nachhinein weiss ich, was da alles falsch gelaufen ist und wie viel Vertrauen das bei mir kaputt gemacht hat. Ich hab die Pille danach letztendlich echt noch bekommen, nachdem ich mit meiner Mutter dort war, die aus allen Wolken fiel und wochenlang sauer auf mich war. Aber weisst du was? Aus dieser schlimmen Zeit ist etwas ganz Tolles entstanden! Ich bin nähmlich mittlerweile glückliche und stolze Mutter meines zweijährigen Sohnes, der einfach alles auf der Welt für mich bedeutet. Trotzdem möchte ich sowas wie damals nie wieder erleben müssen!
Danke für deine Offenheit und deinen Mut! Und alles Gute für dich und deinen Sohn. <3 Mich hat deine Geschichte sehr nachdenklich gestimmt.

