…und was Veganismus für mich bedeutet.
Ich fühlte mich letzte Woche wieder daran erinnert, weshalb es mir manchmal schwer fällt, mit stark engagierten Veganer*innen über die vegane Philosophie zu sprechen. Ich suche den Kontakt zur “Szene” beinahe nie und ließ mich bisher außerhalb des Internets auch nicht (oder nur selten) bei Demonstrationen, Infoständen und Co blicken. Wenn ich ganz ehrlich bin, schüchtern mich stark idealistische Menschen, die das alles vehement nach außen tragen, sogar ein bisschen ein. Obwohl man vermutlich sogar die Ideale teilt. Das liegt an mir. Schüchternheit, oft viel zu leise, manchmal sogar überaus ängstlich. Man brennt für die gleiche Sache, aber ist sich trotzdem sehr fern. Ich habe also die letzten Tage viel darüber nachgedacht und festgestellt, dass sich mein Aktivismus überwiegend auf das Internet beschränkt und ich nur selten versuche etwas in meiner Umgebung zu verändern. Und wenn, dann stets allein. Das verpufft. Und das finde ich ziemlich bescheiden, weshalb ich das auf meine Weise gerne ändern möchte, denn eigentlich halte ich mich schon für eine Macherin. Ich bin politisch interessiert, aber nicht politisch engagiert. Ich kann Menschen zu Parteien zuordnen, weiss was eine Demokratie ist und kenne die ein oder anderen Abhängigkeiten. Eine politische Meinung habe ich natürlich auch.

Und nun sitze ich hier und überlege, ob Veganismus nicht bereits politischer Aktivismus, aber auf jeden Fall eine politische (und ethische) Entscheidung ist. Ich überlege, dass ich mit meinem Blog Öffentlichkeitsarbeit für den Veganismus betreibe. Ich überlege aber auch, ob man das ernst nehmen kann, weil es trotzdem “nur” vegane Kosmetik ist. Dann streiche ich diesen Gedanken und weiss, dass ich vor Allem tierleidfreie Alternativen propagieren will, mir bewusst ist, wie unwichtig Kosmetik gegenüber anderen Themen ist und wie ich manchmal damit kokettiere. Wie ich es Menschen einfach machen möchte, selbst bei solch scheinbar unwichtigen Entscheidungen das Vegane zu wählen. Und dann frage ich mich nicht mehr, wieso ich mich nicht an Bäume kette oder jedes Wochenende Transparente mit Botschaften trage. Ich bin mir sicher, dass es für jeden Menschen einen Weg gibt, seine Botschaften zu verbreiten und sich für seine Herzensangelegenheiten zu engagieren und zu kämpfen. Meiner ist dieser hier. Der Weg von einer schüchternen, jungen Frau, die keine Teamspielern ist und trotzdem für etwas brennt.
Wenn ich also gefragt werde, was meine politische Einstellung ist, dann sage ich, dass das der Veganismus ist. Mein persönlicher Veganismus. Und der besteht nur zu einem winzigen Teil aus Inhaltsstofflisten oder hübschen Kochbüchern. Mein Veganismus strebt danach, jedes Lebewesen auf dieser Erde als gleichwertig zu sehen und auch dementsprechend zu behandeln. Mir liegen nicht-menschliche Tiere am Herzen, weil sie selten eine Lobby finden und Spielball von Stärkeren sind. Egal ob das der geächtete Waschbär ist, der jede Nacht eine andere Mülltonne ausräumt und so Menschen verärgert, ob es Schweine sind, die meist qualvoll aufwachsen und dann viel zu früh sterben müssen oder ob es Nashörner sind, die von schießwütigen Reichen auf Safaris abgeknallt werden. Aber ich sehe auch das Leid der vielen Menschen auf dieser Welt und obwohl es so einfach wäre in Deutschland die Augen zu verschließen, will ich das nicht. In Zeiten wie diesen, wo es an manchen Orten (und damit meine ich im wahrsten Sinne direkt vor unseren Augen, in unserer Mitte) wieder gefeiert wird, wenn Menschen aus anderen Kulturkreisen ausgegrenzt, verletzt oder gar getötet werden oder Menschen aufgrund ihres sozialen Status, ihrer Sexualität, ihres Geschlechts oder gar ihres Äußeren gejagt, missbraucht und verurteilt werden, fühle ich mich verpflichtet mindestens meine Stimme dagegen zu erheben und überdies hinaus Möglichkeiten zu suchen, um diese Umstände zu verändern.
Vegan zu leben bedeutet für mich, gut zu mir selbst zu sein, gut mit meinen Mitmenschen in meinem unmittelbaren Umfeld umzugehen und zu Erkennen, dass selbst Taten für Einzelne einen Unterschied machen können. Das heißt auch (und ich hoffe man merkt es an diesem Blog), dass ich Menschen mit anderen Idealen, mit genauso viel Respekt behandele, wie ich mir diesen von ihnen wünsche. Ich bin der Auffassung, dass die Menschen ihren Weg gehen werden und freue mich, wenn ich sie ein Stück dabei begleiten darf und wir gegenseitig voneinander lernen. In welcher Weise auch immer.
Ich muss überdies gerade an ein Zitat von KIZ denken, einfach weil sie es so schön in einem ihrer neuen Lieder (Hurra die Welt geht unter) verpackt haben.
“Wieso soll ich dir was wegnehm‘ wenn wir alles teilen?”
Und auch das ist für mich Veganismus. Irgendwie antikapitalistisch, solidarisch mit denen die wenig haben. Mir ist Geld nicht wichtig und ich bin so froh, dass ich das wirklich felsenfest von mir sagen kann. Ich brauche Geld, um mein Leben zu finanzieren. Aber ich brauche nicht mehr Geld als dafür notwendig ist. Ich brauche überdies übrigens auch nicht dutzende Kosmetikprodukte oder zwanzig verschiedene schwarze Kleider und wünsche mir, dass ich es noch viel öfter vor einem Kauf (und mag er Second Hand sein) schaffe, dreimal zu überlegen, ob ich Produkt XY eigentlich wirklich benötige oder ich mir einfach nur einen kurzzeitigen Glücksmoment erhoffe.
Wie ihr hoffentlich aus meinem Text herauslesen könnt, ist der Veganismus für mich etwas, wonach ich strebe. Ich reagiere nicht immer so, wie ich es mir eigentlich von mir selbst wünsche. In manchen Bereichen fällt es mir leichter, als in anderen. Möglichst tierleidfrei einzukaufen und sich so gut es geht nach Arbeitsbedingungen und verwendeten Materialien zu erkunden, halte ich für einen leichten Schritt. Zumindest für mich. Und genau das möchte ich mit euch teilen, weil ich weiss, dass es nicht für Jede*n so ist.
So. Das war nun einfach runtergeschrieben und mit “Augen zu” veröffentlicht. Deshalb bin ich aufgeregt, weiss nicht, ob ich den Text nicht nochmal hätte liegen lassen sollen und befürchte wüste “Scheiß Veganer”-Beschimpfungen. 😀 Aber es fühlt sich richtig an, zumindest einmal deutlich zu erklären, dass dieser Blog hier nicht die einzige Facette ist, die mein Leben als Veganerin ausmacht. Ich schreibe mit Absicht nur aus meiner Sicht und weiss, dass es viele Interpretationsmöglichkeiten im Veganismus gibt.

