Vor wenigen Jahren war dort, wo nun meine Kräuterecke ist, mein kleiner Schminktisch. Ich wollte damals nichts sehnlicher haben, als einen festen Ort an dem ich mich schminken und all meine Kosmetik lagern kann. Schon ein bisschen verrückt, wie anders es gekommen ist. Ich saß an meinem Schminktisch vielleicht wenige Wochen, bis ich feststellte wie wenig ich diesen Platz dafür mochte. Also wandere ich wie zuvor schon und immer noch, mit meinen Utensilien zwischen PC-Schreibtisch und Sofa hin und her, wie ich gerade Lust habe. Mein Schminktisch war irgendwann nur noch Ablageplatz für Wäsche und Kleinkram. Oft schliefen auch einfach die Katzen darauf, bis mir die Idee kam, dass ich meinen Kräutern, die zuvor im Küchenschrank standen, einen festen und schönen Platz geben könnte, an dem ich mich erfreuen kann. Das ist mittlerweile schon eineinhalb Jahre her und endlich will ich euch meine Kräuterecke mal genauer zeigen und auch ein bisschen etwas zur Lagerung von Kräutern erklären.

Meine Kräuter schlummern alle in kleinen Einmachgläsern oder Gläsern, in denen zuvor eingelegtes Gemüse, Aufstriche und Co waren. Damit sie nicht anfangen zu schimmeln, ist es wichtig, sie nicht in die Behälter reinzudrücken. Sie müssen locker darin liegen, und sollten – wie Nagellacke – ab und zu geschüttelt werden, ansonsten hat man nicht lange was von ihnen. Der Standort an sich ist beinahe genauso essentiell, denn zu viel Sonne lässt die Kräuter schneller ihre Wirkung verlieren. Daher sind meine in einer dunklen Ecke im Schlafzimmer untergebracht. Sehr empfindliche Kräuter, aber auch Salben oder Öle lagere ich in Schubladen unter dem Tisch, wo kein einziger Sonnenstrahl hin kommt.
Rechts neben dem Regal hängt ein zweckentfremdeter Garderobenhalter, den ich zum Kräuter aufhängen und trocknen optimal finde. Er steht ein bisschen von der Wand ab, sodass die Kräuter nicht an der Tapete hängen. Zum Trocknen von einzelnen Blättern oder Blüten steht unter dem Tisch ein Holzgitter, auf dem das wunderbar klappt.

Und ansonsten hängt und steht da natürlich noch eine Menge Dekoration rum. Erst kürzlich habe ich mir die beiden Jugenstil-Bildchen auf dem Flohmarkt gekauft, weil ich die an Kräutern und Blumen riechenden und darum tanzenden Frauen so wunderschön finde. Daneben steht ein uralter Mörser mit Stößel, den es schon seit mehreren Generationen in unserer Familie gibt. Leider ist er aber so alt, dass er sich nicht mehr für seinen eigentlichen Gebrauch eignet. Die eingerahmte Zeichnung zeigt meine liebsten Menstruationskräuter, nämlich Schafgarbe, Frauenmantel, Melisse und Kamille.
Um Kräuteröle, Tinkturen, Salben, Tees, Sirup und allerlei Anderes herstellen zu können, benötigt es für den Anfang nur eine kleine Auswahl an Kräutern. Meine Sammlung fing ursprünglich an, weil ich mir die Haare mit Kräutertees spüle und dann begann mich weitreichender mit Kräutern und ihre Wirkung auf Haare und Kopfhaut zu beschäftigen. Ich will euch ein paar Pflanzen nennen, die ich als Start sehr gut geeignet finde und nicht nur weit verbreitet, sondern auch für die unterschiedlichsten Anwendungen ideal sind. Manche davon lassen sich wild sammeln und müssen nicht gekauft werden. Einige Informationen zur Wildsammlung habe ich hier schon mal zusammen getragen: Kräuter fürs Haar, durchs ganze Jahr
Kräuter für den Start
- Brennnessel, zum Beispiel als Tee bei Blasenentzündungen, da sie harntreibend wirkt. Außerdem regt sie den Stoffwechsel an.
- Thymian bei Erkältung und Husten, da er Schleim löst und entkrampfend wirkt, aber auch Entzündungen hemmt und desinfiziert. Wie ich meinen Thymian-Hustensaft herstelle, habe ich hier beschrieben: Veganer Hustensaft
- Kamille wirkt entzündungshemmend, antiseptisch und beruhigend. Als Tee ist die Kamille eine meiner Favoriten, aber auch fürs Haar oder als Gesichtswasser oder Dampfbad liebe ich die Kamille.
- Fenchel-Samen und Wurzeln eignen sich besonders bei Blähungen oder allgemeinen Problemen mit der Verdauung.
- Melisse bei Einschlafstörungen und Kopfweh, aber auch gegen Menstruationskrämpfe.
- Ringelblume wirkt antiseptisch und entzündungshemmend. Sie kann vielseitig eingesetzt werden. Zum Beispiel gegen Pickel, bei Sonnenbrand oder kleinen Wunden. Die Blütenblätter sind essbar. Generell eignet sich die Ringelblume sowohl für Auflagen, Aufgüsse als auch für Salben.
- Lavendel wirkt beruhigend bei Einschlafstörungen oder Stress. Außerdem duftet Lavendel sehr gut!
- Schafgarbe zum Beispiel als Bad bei Blasenentzündungen, gegen Menstruationskrämpfe oder als Tee, der appetitanregend und verdauungsfördernd wirkt.
- Knoblauchzehen, wirken keim- und pilztötend und eignen sich entweder in Speisen oder zum Beispiel als Hustensirup bei Erkältungen.
- Aloe Vera, allerdings nicht getrocknet, sondern als eingetopfte Pflanze auf der Fensterbank. Der Saft der Aloe lindert Verbrennungen und hilft bei kleinen Wunden, da sie außerdem desinfiziert.
Wie immer gilt: Ich gebe keinerlei Garantie und rate bei größeren oder lang anhaltenden Beschwerden ärztliche Hilfe aufzusuchen.
Weitere mögliche Materialien
- Basisöle, wie Jojobaöl oder Olivenöl
- Alkohol für Tinkturen
- Zucker für Sirup
- Verschiedene Pflanzenwachse und Buttern für Salben und Cremes
- Ätherische Öle
- Seihtuch oder Nussmilchbeutel, um Kräuter abzuseihen
- Viele verschiedene Behälter, wie Schraubgläser, Krüge und Flaschen
- Wiederverwendbare Teebeutel oder Teeeier
- Waage und Thermometer
- Siebe, Trichter, Messbecher,…

Ich liebe meine Kräuterecke und hoffe, dass euch der kleine Einblick gefallen hat. Immer wenn ich sie so betrachte und hin und wieder meine Kräuter schüttele, fühle ich mich wie eine Hexe, die stets eine schwarze Katze an ihrer Seite hat und für die es ein Kinderspiel ist, irgendwelche Zaubertränke zu mischen und gleich direkt mal auf dem Besen durchstartet. ;D Hex hex!

