Diesen Monat nehme ich euch mit auf Wildpflanzenjagd um einen Aufguß für die Haare daraus zu machen. Vielleicht habt ihr ja den “Kräuter fürs Haar, durchs ganze Jahr”-Artikel gelesen. Dann wisst ihr schon, dass mein Haarkräuterkalender im März beginnt. Geplant hatte ich eigentlich, dass ich euch Bilder zeige wie Henrik und ich haufenweise Pflanzen nach Hause schleppen. ;D Aber wir fanden an dem Tag doch tatsächlich eine gemähte Karlsaue vor und so war die Suche nach Gänseblümchen und Brennnesseln nicht gerade leicht. Nur die Birkenknospen waren einfach zu beschaffen. Das nächste Mal werden wir sicherlich andere Stellen in der Natur aufsuchen.
Weil die Beute so spärlich ausfiel, habe ich mich entschieden nur eine kleine Menge Aufguss zu kochen. Nächsten Monat will ich schließlich schon wieder andere Kräuter dafür sammeln!
Unseren kleinen Ausflug haben wir auf Band festgehalten und am Ende zeige ich kurz, wie ich den Aufguss zubereite.
http://youtu.be/78uieaYGkD0
Nach dem Sammeln der Pflanzen, habe ich sie einige Tage auf einem Küchentuch trocknen lassen. Brennnesseln können prima als komplette Pflanze (Wurzel bitte im Boden lassen, die benötigen wir hierfür nicht) zum Trocknen aufgehängt werden. Die Birkenknospen und die kleinen Gänseblümchenblätter trocknen aber besser liegend. Durchgetrocknet lagere ich die Kräuter in kleinen Gläsern mit Deckel, möglichst schattig.
Die Zubereitung ist mal wieder super simpel. Jeder der schon einmal einen Tee gekocht hat, wird das ohne Probleme hinbekommen. Je nach Pflanze nehme ich ungefähr 40 bis 50 Gramm auf einen Liter Wasser. Im Video erkläre ich das noch kurz.
Auch die Anwendung gestaltet sich einfach. Ich fülle den abgekühlten Aufguss in eine Schüssel und stelle diese in meine Badewanne. Waschbecken geht natürlich auch. Darüber hänge ich meinen Kopf und kippe mir den Aufguss mit einem kleinen Becher immer wieder übers Haar. Weil meine Haare sehr lang sind, hängen die Längen zusätzlich in der Schüssel. Das mache ich, bis alle Haare erwischt sind. Ausspülen muss ich den Aufguss nicht mehr und lasse die Haare danach luftrocknen. Manchmal gebe ich einen Esslöffel Apfelessig dazu, aber das muss nicht unbedingt sein. Die Spülung eignet sich zur Anwendung nach der normalen Haarwäsche, aber auch für zwischendurch. Alle Pflanzen lassen sich natürlich ebenso einzeln oder in anderer Kombination anwenden.
Die perfekte Mischung für fettiges Haar
Gänseblümchenblätter, Birkenknospen und Birkenblüten (leider ohne Brennnessel)
Frühlingsbote: Brennnessel (Urtica dioica)
Bei den Brennnesseln haben wir etwas geschummelt. Das muss ich jetzt einfach mal so zugeben. 😀 Die getrockneten Brennnesseln stammen aus der Apotheke von nebenan. Falls also mal keine Lust und Laune auf einen Spaziergang in Wälder und auf Wiesen besteht, ist die Teeabteilung einer Apotheke der Place to be.
Verbinden euch auch so viele Kindheitserinnerungen mit der Brennnessel? Ich denke, dass Jeder schon mal Bekanntschaft mit brennender Haut gemacht hat, weil man in die Nesseln gefallen ist oder reingefasst hat. Apropos “in die Nesseln gehen”: Als Kind las ich gerne alte Mythen rund um die Pflanzen- und Tierwelt. Und die eben erwähnte Redewendung hat mit einer Sage zu tun, nach der die Brennnesselstaude der Wohnort der Verstorbenen ist. Für mich war die Brennnessel seit dem immer “irgendetwas Gruselig-Magisches” und nicht einfach nur ein Unkraut, wie für viele Andere.
Von der Brennnessel benötigen wir übrigens nur die Blätter. Aber am einfachsten ist es die gesamte Pflanze, bis auf die Wurzeln mitzunehmen, um sie zuhause zum trocknen aufhängen zu können. Packt euch dafür unbedingt dicke Handschuhe ein, wenn ihr keine brennende Haut haben wollt. Getrocknet und klein gemacht, besteht dahingehend aber keinerlei Sorge mehr. Ungefähr bis August ist die beste Zeit zur Brennnessel-Ernte. Die Brennnessel hat ja so reichlich Vorteile für uns. Menschen die von Blasenentzündungen geplagt sind, können zum Beispiel Brennnesseltee trinken. Dieser wirkt stark harntreibend, sodass Bakterien leichter ausgespült werden können. In unserem Haaraufguss ist sie aber, weil sie prima für fettiges und glanzloses, stumpfes Haar ist, außerdem gegen Schuppen und angeblich auch gegen Haarausfall hilft, da sie die Durchblutung der Haut anregen soll. Mir ist aufgefallen, dass Brennnesseln einen dunklen Glanz ins Haar bringen. Nicht sehr stark, aber ich möchte es nicht unerwähnt lassen. Es ist also kein Wunder, dass man früher mit der Brennnessel Stoffe einfärbte. Übrigens grün. 🙂
Blümlein für alles: Gänseblümchen (Bellis perennis)
Manchmal sieht man Gänseblümchen das ganze Jahr über auf den Wiesen. Es scheint, als ob sie sich durch nichts unterkriegen lassen würden. Und so finden sich natürlich auch im März reichlich Gänseblümchen, deren noch sehr zarte und kleine Blätter wir für unseren Haartee verwenden können.
Ich kann mir nicht helfen, aber Gänseblümchen sind einfach meine allerliebsten Lieblingsblumen. Ich verbinde mit ihnen schon mein ganzes Leben lang so wahnsinnig viel. Als Henrik und ich 2012 heirateten, bestand mein kleiner Blumenstrauß aus Gänseblümchen, unsere Torte war mit Gänseblümchen dekoriert und Gänseblümchen sind auch die einzigen Blumen über die ich mich freue, wenn man sie mir schenkt. 🙂 Kennt ihr das Märchen von der Gänseblume und der Lerche von Hans Christian Andersen? Ich habe es gestern spontan vorgelesen und aufgenommen. Das war mal ne ganz neue Erfahrung für mich. Wenn ihr möchtet, könnt ihr gerne lauschen. Aber erwartet nicht zu viel von mir. 😀
Weil ich sie so mag und sie so vielseitig sind, wird in den kommenden Monaten bestimmt noch ein gesonderter Extra-Artikel nur über meine lieben Gänseblümchen kommen. Gänseblümchen enthalten übrigens Saponine und eignen sich deshalb unter Anderem auch zur Haarwäsche, aber dazu später mehr.
Für unseren Haartee ist das Gänseblümchen interessant, weil es prima gegen Schuppen hilft und, wie auch die Brennnessel, geeignet für fettiges Haar ist.
Winterhart: Birke (Betula alba)
Etwa ab Mai lassen sich die Birkenblätter ernten, die für dieses Rezept beinahe noch besser geeignet sind als die Knospen, welche wir ab März finden. Gemeinsam mit der Brennnessel, hat die Birke seine harntreibende Wirkung. Die Blätter enthalten außerdem Saponine, wie die kleinen Gänseblümchenblätter. Alle drei gemeinsam haben sie aber ihre Wirkung auf unsere Haare, denn auch die Birke ist perfekt für fettiges Haar und soll gegen Haarausfall und Schuppen helfen.
Birken lassen sich ganz leicht an ihrer weißen Rinde erkennen. Die Blüten wachsen in zwei verschiedenen Versionen am selben Baum. Die “männlichen” Blüten sind länglich und hängen am Ende der Zweigspitzen herunter, während die “weiblichen” Blüten sehr viel kürzer sind und an den Seitentrieben wachsen. Für uns interessant sind die Knospen der Birke. Diese wachsen mit den weiblichen Blüten an den Zweigen entlang und werden später zu spitzen, eiförmigen grünen Blättern mit gesägtem Rand.
Kennt ihr ein paar Mythen rund um die Birke? Ein Besen oder eine Peitsche aus Birkenästen (die sind nämlich sehr biegsam), mit denen “das Böse” aus dem Haus gekehrt wurde, ist einer der Bräuche von damals, die mir sofort in den Sinn kommen. Kein Wunder, dass der klassische Hexenbesen ebenfalls aus Birke gemacht ist. ;D Ich mag diese kleinen Rituale irgendwie sehr, wenngleich sie nur ein Symbol darstellen und rational gesehen Probleme sich nicht einfach wegfegen lassen. Wäre ja auch irgendwie zu schön. Ansonsten komme ich ja ursprünglich vom Dorf. Bei uns wird jedes Jahr das Maibaumfest gefeiert, wo – na, was wohl? – natürlich eine Birke auf dem Dorfplatz aufgestellt und mit bunten Bändern geschmückt wird.
Ich hoffe euch hat dieser kleine Exkurs gefallen und vielleicht freut ihr euch ebenfalls schon so sehr auf den Frühling wie ich, nachdem nun die ersten Pflanzen erwachen, die Tage länger werden und das Gemüt heller.


