Kürzlich spazierte ich mit Henrik an der Fulda entlang und wir fanden inmitten der Stadt doch tatsächlich ein unberührtes Fleckchen Erde, welches weder gemäht noch zugemüllt war. Umringt von reichlich Sträuchern, Bäumen und dem Fluss, sahen wir uns auf einem Blütenmeer wieder und waren plötzlich ganz ungestört. Es gibt doch kaum etwas Schöneres als ganz in Ruhe da zu sitzen und für einen Moment seinen Frieden zu finden, während man der Natur lauscht. Klingt total überromantisiert und kitschig, ich weiss. Aber hey, dass ich als Veganerin Bäume kuschele, wusstet ihr doch längst! 😀
Bevor es gleich mit dem Showrunner los geht, will ich euch noch eben ein paar Fotos zeigen, die ich an dem Tag geschossen habe. Unbedingt will ich euch da demnächst mal via Video mit hinnehmen.


Schafgarbe (Achillea millefolium)
Schafgarbe blüht von Juni bis Oktober und ist eine der Pflanzen, die sich wirklich ohne Probleme auf unseren einheimischen Wiesen finden lassen. Ihre vielen (vielen, vielen!) tellerförmigen, weißen, kleinen Blüten und ihr bis zu sechszig Zentimeter langer Stängel, mit der auf dem Boden aufliegenden Blattrosette, sowie ihre feinen, gefiederten Blätter, machen die Schafgarbe recht einzigartig.
Der lateinische Name der Schafgarbe, spielt einerseits auf die Blätterform der Pflanze an (millefolium = tausend Blätter), andererseits auf die Heldensage um Achilles, der die Schafgarbe zur Wundheilung nutzte und dadurch ihr botanischer Namensgeber wurde. Der Legende nach wurde die Schafgarbe aus den rostigen Splittern des Speers geschaffen, der Achilles gehörte und mit dem er nicht nur kämpfen, sondern auch seine Kameraden zu heilen vermochte.
Ihr deutscher Name leitet sich vom althochdeutschen “Garwa” ab, was so viel wie “gesund machend” bedeutet. Das Schaf ist Namensgeber, da Beobachtungen wohl zeigten, dass kranke Schafe vermehrt Schafgarbe zu sich nehmen. Sheep knows best.

Die Schafgarbe ist zwar leicht zu erkennen, aber es gibt eine Pflanze, die auf den gleichen Wiesen wie die Schafgarbe wächst und ihr relativ ähnlich sieht, sodass ich sie hier unbedingt benennen will. Der Gefleckte Schierling gehört nämlich zu den giftigsten, einheimischen Pflanzen überhaupt. Bevor ihr auf Wildpflanzenjagd geht, vergewissert euch also unbedingt, ob ihr euer Ziel gut genug kennt. 🙂 Wer sich unsicher ist oder generell keine Lust hat selbst zu sammeln, der findet Schafgarbe glücklicherweise bereits getrocknet in der Apotheke oder als Tee in Bioläden und Drogerien.

Fotos von Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen (List of Koehler Images) [Public domain], via Wikimedia Commons und via Wikimedia Commons
Ich ernte stets die gesamte Pflanze, bis auf die Wurzeln. Das heißt, ich schneide den Stängel oberhalb der Erde ab, binde alle Pflanzen zu kleinen Sträußen und hänge sie kopfüber zum trocknen an einem schattigen Ort auf. Wenn alle Feuchtigkeit aus der Pflanze verschwunden ist, zerkleinere ich sie und lagere sie trocken und schattig in geeigneten Glasgefäßen, bis sie zum Einsatz kommen. Theoretisch lassen sich ebenfalls nur die Blüten verwenden, die besonders im Hochsommer die größte Wirkung haben. Bei empfindlicher Haut ist es sogar ratsam auf Blätter und Stängel zu verzichten und nur die Blüten zu nutzen.
Geschichten und Mythen
Wie immer geben uns die Volksnamen Hinweise auf (damalige) Anwendungsgebiete der Kräuter. Da die Schafgarbe so weit verbreitet ist und beinahe auf jeder Wiese wächst, trägt sie unzählige dieser Namen. Stichkraut wurde sie zum Beispiel genannt, da sie früher besonders für Wunden, die durch eiserne Waffen entstanden waren, eingesetzt wurde. In vergangenen Kriegen war die Schafgarbe eine wichtige Pflanzen für Soldaten. So entstanden Volksnamen wie Feldgarbe, Blutstillkraut oder Soldatenkraut.
Der sehr schöne Name “Supercilium veneris” (die Augenbraue der Venus) stammt aus dem Mittelalter und spielt auf die Wirkung bei typischen Frauenleiden an. Findet ihr nicht auch, dass die Blätter wie eine buschige Braue aussehen?
by Sigman (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
Einer Sage nach hat die Schafgarbe so viele unzählige kleine Blätter, da sie den Teufel dazu verleiten sollte, seiner Zähllust nachzugehen. So würde er sich aber stets verzählen und müsse von vorne beginnen, da die Blätter der Schafgarbe zu fein sind. Man glaubte, dass dies den Teufel davon abhalten würde Unheil zu verbreiten. Kein Wunder also, dass Schafgarbe damals zum Beispiel in Amuletten zum Schutz vor dem Teufel genutzt wurde.
Wundervoll finde ich die Überlieferung, nach der man sich einen Schafgarbenstängel in die Nase stecken sollte, um heraus zu finden, ob der*die Partner*in einen wirklich liebte. Währenddessen sagte man folgenden Spruch auf:
„Garbe, oh Garbe, bei diesem sanften Hieb
Nase, so blute, wenn mein Schatz mich liebt“
Probiert es besser nicht aus! Auch wenn ich die Vorstellung wahnsinnig amüsant finde. 😀 Die Schafgarbe trägt in England nicht ohne Grund den Beinnamen “Nosebleed”.

Wirkung und Anwendungsgebiete
Da die Schafgarbe so leicht verfügbar ist, kommt sie bei mir rund ums Jahr für zahlreiche Anwendungen zum Einsatz. Sie ist der Kamille nicht unähnlich und im Doppelpack nutze ich beide gerne als Tee. Einerseits weil es schmeckt, aber auch in Kombination mit manch anderen typischen Frauenkräutern, ist die Schafgarbe für mich mein monatlicher Begleiter während der Menstruation. Sie lindert die Schmerzen während der Periode und wirkt krampflösend. Zu Zeiten des Pharmakologen Dioskurides wurde die Schafgarbe sogar als eine Art Tampon eingeführt, um direkt an der Gebärmutter zu wirken.
Ein Schafgarben-Tee ist außerdem appetitanregend und verdauungsfördernd.
Tausendmal auf Holz geklopft: Eine Blasenentzündung hatte ich ewig nicht mehr. Früher hatte ich damit jedoch häufiger zu kämpfen und da waren Bäder mit Schafgarbe stets eine Wohltat, da sie desinfizierend und entzündungshemmend wirkt.
Und für das Haar?
Schafgarbenwasser eignet sich zur täglichen Hautpflege, aber auch bei Sonnenbrand, als After Shave und natürlich für Kopfhaut und Haar. Wer es nicht selbst herstellen möchte, findet es zum Beispiel schon komplett fertig und natürlich vegan bei der lettischen Naturkosmetikmarke Dabba.
Für unser Haar ist die Schafgarbe interessant, weil sie das Haarwachstum anregt, gegen Schuppen und Ekzeme wirkt und perfekt für schnell fettendes Haar geeignet ist. Wer empfindliche Kopfhaut hat, verwendet besser nur die Blüten.
Ich koche mir aus der getrockneten Schafgarbe einen Tee, indem ich rund zwei Esslöffel mit ungefähr 500 ml heißen Wasser übergieße und eine halbe Stunde ziehen lasse. Sobald der Tee abgekühlt ist, filtere ich das Kraut heraus und gebe nach Laune noch einen Schuss Apfelessig hinzu. Nach der Haarwäsche tunke ich meine Haare kopfüber in das Schafgarbenwasser und spüle es nicht aus. Danach ist das Haar weich, duftet ziemlich neutral und fettet nicht mehr so schnell nach.

Wie immer ist auch dieser Haarkräuterartikel nicht als Anleitung zur Selbstmedikation zu sehen. Falls ihr wirklich starke Beschwerden habt, sucht einen Arzt auf. Primär stelle ich die Pflanzen als Haarkräuter vor. Seid euch bei der Ernte von Wildpflanzen sicher, dass ihr die richtigen Pflanzen pflückt und vergewissert euch, dass ihr nicht allergisch auf die Pflanzen reagiert, bevor ihr sie zur Haarpflege anwendet. Mehr zum Haarkräuterkalender und was es außerdem zu beachten gilt, findet ihr hier: Kräuter fürs Haar, durchs ganze Jahr!

