Als ich mich damals von nicht-pflanzlicher Haarfarbe verabschiedete, war das zeitgleich auch ein Abschied von bunten Farben. Das war kein großes Thema zu diesem Zeitpunkt, immerhin hatte ich pechschwarzes Haar. Da geht eh nichts drüber. Mittlerweile sind meine Haare überwiegend Hennarot mit dunkleren Spitzen und einem aschblonden Naturhaaransatz.
Letztens kamen die neuen Pflanzenhaarfarben von Radico Colour Me Organic auf den Markt. Darunter eher ungewöhnlichere Töne, wie eine Blond-Mischung, die das Haar tatsächlich aufhellen soll. Alle Farben schaffen es wohl auch graues Haar abzudecken. Meine Hände krallten aber nach “Violett”. Lila Haare mit Pflanzenfarben? Call me (sowas von) in! Also bestellte ich meine Packung bei der Naturdrogerie, die übrigens super schnell lieferten. Und so habe ich am achtzehnten Juli mit “Violett” gefärbt. Falls ihr mir auf Facebook oder Twitter folgt, konntet ihr alles zeitnah miterleben, denn ich veröffentlichte währenddessen Fotos.
Ein paar Informationen zu Radico “Violett”, hatte ich bereits im Vegan Beauty-Loot #5 mit euch geteilt. “Violett” besteht überwiegend aus Indigo und enthält keinerlei Henna. Ich hatte in der Vergangenheit öfter mal mit Indigo schwarz gefärbt, indem ich vorher eine Basis mit Hennarot schuf. Daher hatte ich die Befürchtung, dass es einfach nur sehr dunkel werden könnte. Jedoch war ich aufgrund der Zusammensetzung mit Methi, Hibiscus und Manjistha so verdammt neugierig, dass ich das Wagnis einging.
Bevor ich abschließend einige Worte zum Färben von Indigo an sich verliere, will ich euch einige Bilder zeigen, damit ihr den Verlauf vom Ursprungshaar bis heute, einen Monat später, nachvollziehen könnt.
Mit Matsche rumpatschen.
Schön warm halten und in der Zeit Schabernack mit Henrik machen.
Kurzzeitig wie Elvis aussehen.
Nach dem Auswaschen und trocknen, begrüßt mich ein grünlicher Haaransatz. Oh you!
Links seht ihr meine hennaroten, leicht eingeölten Haare. Viele Stunden später ist rechts das Ergebnis nach Radico “Violett”. Sehr dunkel. So gar nicht violett, eher braun.
Überrascht war ich von den neusten Fotos, die einen Monat nach dem Färben entstanden sind. Der grüne Ansatz war nach ein paar Tagen verschwunden. Insgesamt dunkelte die Farbe noch etwas nach. Mittlerweile schimmert das Rot wieder stärker durch.
Ein Foto der Haarlängen nach einem Monat. Viele verschiedene Töne, aber ich meine sogar ein wenig Violett zu erkennen, ihr auch?
Wie färbe ich am Besten mit Indigo?
- Unbedingt zuvor eine kleine Probesträhne färben und sich vergewissern, dass man nicht allergisch auf Indigo reagiert.
- Die Haare sollten komplett fettfrei sein und nicht mit einem silikonhaltigen Shampoo gewaschen werden. Silikonhaltige Produkte schon ein paar Wochen vorher absetzen. Um eine gute Voraussetzung zu schaffen, ist es meiner Meinung nach am Besten vor der Färbung mit Natron zu waschen, da Indigo es basisch mag. Kein Conditioner, keine Essigrinse nach der Wäsche.
- Anders als Henna, das heiß angerührt wird, darf Indigo nur mit lauwarmen Wasser gemischt werden. Da Indigo sofort oxidiert, also mit dem Wasser reagiert, sollte es so schnell wie möglich aufgetragen werden.
- Indigo lässt sich leichter auftragen, wenn die Haare nass sind.
- Um keine all zu große Sauereri zu veranstalten, stelle ich mir meine Indigo-Schüssel in die Badewanne und färbe über diese hinüber gebeugt, sprich kopfüber. Das klappt mit etwas Übung sehr gut und der Vorteil ist, dass man danach nicht das ganze Bad putzen muss. Es ist am Anfang vielleicht etwas ungewohnt, anstatt die Farbverteilung zu sehen, diese alleinig zu fühlen. 😀 Handschuhe nicht vergessen!
- Sobald alles aufgetragen ist, mache ich mir einen Dutt auf dem Kopf, umwickele die Haare mit Klarsichtfolie und ziehe mir eine dicke Wintermütze darüber. Alternativ geht aber auch ein Handtuch. Wichtig ist nur, dass das Indigo schön feucht bleibt und gewärmt wird.
- Nach etwa zwei Stunden nehme ich Mütze und Folie ab und lasse Indigo noch eine halbe Stunde an der Luft im Haar. Ich habe mir über die Jahre eingebildet, dass die Farbe dadurch noch etwas intensiver, sprich dunkler, wird. Aber tatsächliche Belege habe ich dafür nicht gefunden.
- Danach kann alles gründlich mit lauwarmen Wasser ausgespült werden. Shampoo oder Ähnliches sollte man am Besten die nächsten zwei Tage nicht verwenden. Die Farbe verdunkelt sich in dieser Zeit noch etwas. Die nächste Haarwäsche kann mit einer Essigrinse abgeschlossen werden, die verhindert, dass die Farbe nicht zu schnell verschwindet. Wichtig: Indigo ist eine dauerhafte Haarfarbe, was aber meistens erst nach einigen Farbvorgängen erreicht wird.

Was sollte ich vor dem Färben über Indigo wissen?
- Pflanzenhaarfarben sind nicht so berechenbar wie synthetische Farben und kommen je nach Ausgangshaarton völlig verschieden heraus.
- Anstatt in diese einzudringen, werden die Haare von Indigo und auch von Henna ummantelt. Sie können daher, wie Tönungen, nicht durch Farbzieher (zum Beispiel Color B4 und Co) entfernt werden.
- Mehrfach chemisch gefärbte oder gar blondierte Haare können Indigo möglicherweise nicht richtig annehmen oder eine unerwünschte Farbe, wie einen kaum entfernbaren Grünstich, ergeben.
- Wer sehr dunkles bis schwarzes Haar erreichen möchte, sollte zuvor mit Henna färben und Indigo damit eine Basis geben (Vorpigmentierung). Umso mehr Schichten Indigo auf den Haaren sind, desto haltbarer und intensiver wird die dunkle Farbe.
- Zahlreiche Erfahrungsberichte aus dem Netz verdeutlichen, dass sich Indigo (wenn es erstmal dauerhaft im Haar ist) selbst mit einer starken Blondierung nicht mehr entfernen lässt. Da hilft nur rauswachsen lassen oder abschneiden.
- Sowohl Indigo als auch Henna werden mit Wasser angemischt und können schon mal sehr bröselig im Auftrag sein. Richtig cremig wird die Mischung, wenn man zwei bis drei Teelöffel Zucker unterrührt.
- Bis zu zwei Stunden Einwirkzeit genügen. Henna hingegen braucht deutlich länger, um ein intensives Ergebnis zu hinterlassen.
- Katam ist eine nicht ganz so haltbare Alternative zu Indigo, wird aber eher ein dunkler Ascheton, je nach Ausgangshaarfarbe.
- Wenn das Ergebnis nach dem Färben nicht stark genug erscheint (wie geschrieben, es dunkelt noch nach) oder nicht alle Haare erwischt wurden, kann man ohne Probleme direkt nochmal darüber färben. Bis auf die mechanische Belastung, schädigt Indigo das Haar nicht. Übertreiben sollte man es aber natürlich auch nie. 🙂 Nach mehreren Indigo-Färbungen werden die Haare recht trocken und benötigen ein wenig Extra-Pflege.
Vielleicht hat dieser Erfahrungsbericht euch ja in irgendeiner Weise weiter geholfen. Ich färbe aber nun wieder mit Henna, da ich lieber heller als dunkler werden möchte.

