Es ist soweit. Ich habe aufgegeben. Nach beinahe zwei Wochen ohne Haarwäsche habe ich die Bürste niedergelegt und mir mein Haarwaschmittelchen zusammen gerührt. Ich hätte es bestimmt noch ein paar Tage oder eine Woche länger ausgehalten, aber am Tag der Haarwäsche hatte ich abends eine Verabredung mit Freunden und ich hätte mich einfach viel zu unwohl gefühlt. Die Erfahrung war dennoch sehr interessant für mich und ich bin mir sicher, dass ich kommenden Winter wieder zwei Wochen nur mechanisch reinige.
Ein Vorher/Nachher-Video habe ich zum Abschluss ebenfalls noch für euch gedreht:
[Video entfernt]
Ich habe die letzten NW/SO-Tage gemerkt, wie sich die Sebumproduktion auf dem Kopf veränderte. Es wurde definitiv weniger und es war nicht mehr so wachsig wie zu Beginn. Das flüssigere Sebum ließ sich einfacher verteilen. Meine Haare sogen es regelrecht auf und besonders die Längen schienen sehr kräftig und irgendwie genährt. Wie bei einer sehr guten Haarkur. NW/SO ist definitiv nichts für pflegefaule Menschen. Da ist es zeitsparender und weniger aufwendig sich einfach nur regelmäßig die Haare zu waschen.
Direkt nach der ersten Haarwäsche war ich überrascht von meinen griffigen, aber trotzdem sehr weichen Haaren. Das Gefühl von frisch gewaschenen Haaren ist unbezahlbar und für mich auch der Hauptgrund, weshalb No Wash/Sebum Only nichts auf Dauer für mich ist. Oder noch nicht ist?
Ein Fakt der für mich hoffentlich auch auf lange Sicht so bleibt: Wo ich vorher meine Haare alle ein bis zwei Tage waschen musste, wasche ich nun nur noch alle vier bis fünf Tage! Sie sehen noch nach drei Tagen wie frisch gewaschen aus. Ein Zustand der komplett neu für mich ist. Ich hatte in der Vergangenheit schon des Öfteren versucht meinen Haarwaschrythmus zu verlängern, indem ich den Abstand zwischen den Haarwäschen langsam vergrößerte. Diese radikalere Variante jedoch, hat mir den gewünschten Effekt gebracht.
Nachfolgend möchte ich auf ein paar Fragen von euch eingehen. In den Videos habe ich ebenfalls einige beantwortet.
Was ist Sebum überhaupt und aus was besteht es?
Sebum (oder auch Hauttalg) ist ein Gemisch aus abgestorbenen und aufgeplatzten Hautzellen. Es wird in den Hauttalgdrüsen, welche sich an den Haarwurzeln befinden, erzeugt. Wie viel und in welcher Konzentration ein Mensch Sebum produziert, ist von verschiedenen Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Hormone, Ernährung sowie Veranlagung aber auch von Umwelteinflüssen abhängig. Das Sebum bewahrt die Haut vor der Austrocknung. Jeder Mensch produziert ungefähr ein bis zwei Gramm am Tag.
Die Zusammensetzung von Sebum: Triglyceride ca. 43 %, freie Fettsäuren ca. 15 %, Wachse ca. 23 %, Squalene ca. 15 %, Cholesterin ca. 4 %, außerdem Proteine.
Auf was muss ich besonders achten, wenn ich auf NW/SO umstellen möchte?
Eine gute Haarbürste (Staubkamm, Sisalborstenbürste z.B. von Kostkamm oder Culum Natura), die dabei hilft das Sebum im Haar zu verteilen, ist auf jeden Fall von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig. Mit den Händen oder einem Stück Stoff lässt es sich ebenfalls gut bis in die Spitzen verteilen. Ein Tipp einer Leserin war es, eine Socke über eine Bürste zu stülpen und damit über das Haar zu gehen.
Ansonsten sind möglichst unbehandelte Haare ein Muss, weswegen ich vor meinem Experiment eine Natronwäsche machte um zumindest wirklich sauberes Haar zu haben. Dinge die auf das Sebum auf jeden Fall eine Wirkung haben, sind Giftstoffe wie Alkohol, Nikotin, zu viel Kaffee und Ähnliches. Auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung und auf genug Wasserzufuhr sollte man also definitiv achten, sofern man vor hat für längere Zeit auf NW/SO umzustellen.
Hattest du Probleme mit stinkenden Haaren?
Nein. Zumindest in diesen zwei Wochen nicht. Alles was sich direkt auf der Kopfhaut an Schmutz oder Ähnlichem absetzte, habe ich mit meinen Fingern und einer Bürste entfernt. Ab und zu habe ich ein bis zwei Spritzer Rosenwasser in die Haare gegeben. Was ich am Liebsten mochte, war das „Bad“ im Rauch eines gut duftenden Räucherstäbchens. Darin habe ich meine Haare gut aufgeschüttelt und sie nahmen den Geruch für einige Zeit an. Ansonsten haben meine Haare aber einfach nach mir gerochen. Kein Gestank oder Ähnliches.
Kann ich trotzdem ganz normal schwimmen gehen?
Können sicherlich. Ich habe da keine eigenen Erfahrungswerte, aber ich las von verschiedenen NW/SO-Frauen, dass sie entweder ganz normal schwimmen gehen, eine Badekappe aufziehen oder ihre Haare zuvor mit einem Öl schützen. Viele scheinen das Schwimmen in Seen und anderen Gewässern den Schwimmbädern (wegen Chlor etc.) vorzuziehen.
Kann ich zusätzlich noch Öle für die Haare nutzen?
Ja, an sich schon. Allerdings würde ich die Öle nur in die Spitzen geben, denn das Resthaar wird im Normalfall ausreichend mit Sebum versorgt. Einige nutzen gerne Sheabutter zusätzlich für die Haarspitzen. Was ich mir auch gut vorstellen kann, ist Aloe Vera Gel oder Avocadoöl in den Haaren.

