In einem der letzten Artikel stellte ich euch via Videobotschaft unter Anderem die Oliven-Seife aus Aleppo vor. In den Kommentaren auf YouTube, in Emails und natürlich auch hier auf dem Blog, waren einige verunsichert auf Grund der Kriegssituation in Syrien. Manche meinten, man solle die Seife nun nicht mehr kaufen. Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und möchte sie an dieser Stelle mit euch teilen.
Der Krieg in Syrien
Mitnichten bin ich eine Politik-Expertin und es fällt schwer einen Konflikt wie diesen in wenige Worte zu fassen, jedoch halte ich es für eine wichtige Ausgangslage, dass ich dennoch kurz beschreibe was passiert. Ihr habt jederzeit die Möglichkeit nach tiefergehenden Informationen zu suchen, um euch ein Bild zu machen.
Anfang 2011 kam es vermehrt zu Protesten gegen die Regierung Assads. (Stichwort: Arabischer Frühling) Diese zuerst friedlichen Proteste wurden schnell zu einem Bürgerkrieg, dem viele tausende Menschen zum Opfer fielen. Sowohl die Regierungsgegner als auch die Anhänger Assads verübten Anschläge in öffentlichen Einrichtungen und an ziviler Bevölkerung. Die USA und auch die Türkei beliefern die Freie Syrische Armee mit Waffen.

Für unsere Generation hier in Deutschland, einem reichen Sozialstaat, ist das was Krieg für den Menschen (und das Tier!) bedeutet so weit entfernt. Wir kennen Krieg aus den Nachrichten, aus (meist US-amerikanischen) Filmen und Videospielen. Vielleicht noch aus den Geschichten unserer Großeltern. Aber ungefilterte echte Eindrücke vom dem was heute in den Kriegsgebieten dieser Welt geschieht, haben wir eigentlich nicht. Und das ist einerseits natürlich sehr gut so! Doch finde ich es wichtig, dass wir uns deswegen nicht wegdrehen und die Augen vor dem Verschließen was passiert. Mit Hilfe des Internets haben wir immerhin die Möglichkeit uns auf vielseitige Weise zu informieren, zu verstehen und vielleicht sogar in irgendeiner Weise zu helfen.
Die Aleppo-Seife und der Krieg
Die Seifenherstellung hat in Syrien eine über tausend Jahre alte Tradition. Am Ende jeden Jahres werden in Aleppo in den traditionellen Seifenmanufakturen nach uralten handwerklichen Verfahren Aleppo-Seife hergestellt. Dafür wird Olivenöl und je nach Rezept auch etwas Lorbeeröl mit Wasser und Lauge gemischt. Nachdem die Masse mindestens einen ganzen Tag lang in Kupferkesseln kochte und dadurch fester geworden ist, wird sie weitflächig ausgegossen, damit sie trocknet und später gestempelt und in Stücke geschnitten werden kann. In den Gewölben der Manufaktur wird die Seife mindestens neun Monate lang zum Reifen aufbewahrt. Die Seifen werden je nach Reifegrad außen ockerfarbig und innen grün. Je höher der Lorbeeranteil in der Seife, desto intensiver ist auch die grüne Färbung.
Natürlich gibt es in Syrien nicht nur Traditionsmanufakturen die in Aleppo nach alten Verfahren ihre Seifen herstellen. Viele der Seifensieder-Familien stellen bereits seit Jahrhunderten von Generation zu Generation Olivenöl-Seifen her. Aber neben den traditionellen Manufakturen in der Altstadt Aleppos, haben einige mittlerweile außerhalb der Stadt größere Betriebe errichtet um ihre Produktion zu erhöhen.

Besonders die Vertrags- und Handelspartner vieler kleiner Siedereien hören seit dem Krieg nichts mehr voneinander. Lieferungen kommen nicht mehr an, Kontakte sind komplett abgebrochen oder die Lieferungen erfolgen nur noch in kleineren Mengen und zu viel höheren Preisen. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Niendorf, die einen Weltladen mit Aleppo-Seifen betreiben, schreiben dazu auf ihrer Webseite: „[…] dass all diese Familien die Stadt Aleppo verlassen und sich bei Verwandten in Sicherheit gebracht haben. Es ist sehr schwierig, in der kriegsähnlichen Situation Kontakt mit den ProduzentInnen zu bekommen. Erst wenn sich die Lage etwas beruhigt hat, die Familien zurückkommen, werden wir erfahren, ob die Manufakturen der HandelspartnerInnen zerstört wurden. Wir hoffen, dass die bestehenden Kontakte die Familien vor Ort darin unterstützen können, den Mut zu finden für eine Zukunft.“
Im Fall der Aleppo-Seife heißt das für mich, dass ich ganz klar nach wie vor Seife aus Syrien kaufen werde, sobald ich wieder welche benötige. Denn die Menschen die dort unter dem Krieg leiden, bangen täglich um ihr Leben und um das Leben ihrer Familie und Freunde. Die Handelspartnerschaften mit anderen Ländern sind wichtig und sichern weiterhin Existenzen, sofern die Grundlagen dieser – nämlich die Siedereien – nicht bereits zerstört wurden.
Weiterführendes und Quellen:
ev.-luth. Kirchengemeinde Niendorf, Betreiber von einem Weltladen mit Aleppo-Seifen- Historische Aleppo-Seife und ihre Geschichte
- Aleppo-Seife, Produktion in Bildern
- Südwest Presse, Aleppo-Seife trotz der Unruhen in Syrien
Bildquellen:
- Aleppo City – Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic Lizenz, von Ed Brambley
- Aleppo-Seifen-Herstellung By Bernard Gagnon (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons
