Vegan Beauty Blog kosmetik-vegan Waschbär Erbse Abschied

Sowas ähnliches wie Abschiednehmen

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Ein leises Hallo an alle Menschen die noch hier sind. Beinahe eineinhalb Jahre her ist mein letzter Blogartikel auf meinem Vegan Beauty Blog. Und ich kann euch sagen: Ich fühle mich zerrissen, etwas traurig, aber auch voller Tatendrang, Vorfreude und als ob durch das Tippen dieses Textes eine riesige Last von mir fällt. Denn seien wir mal ehrlich, nach so vielen Jahren wie es diesen Blog nun gibt, war es bitter nötig, dass ich ausspreche, was hier seit geraumer Zeit passiert. Nämlich nicht mehr so viel.

Ich habe die letzten Jahre eine Trennungsphase zwischen dem Vegan Beauty Blog und mir durchlaufen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor wenigen Jahren das erste Mal dachte: “Irgendwie fühle ich es nicht mehr. Ich spüre eigentlich nur noch Druck.” Aber das hier ist mein Baby, es war mein absolutes Herzensprojekt. Ich habe regelrecht dafür gebrannt. Aber nochmal ganz von vorne.

Der Beginn

Als der Vegan Beauty Blog in seiner ersten Form online ging (damals noch unter dem Namen Blanc et Noir, erinnert ihr euch vielleicht sogar!?) schrieben wir das Jahr 2010. Ich war 21 Jahre alt, im Januar des Jahres Veganerin geworden und hochmotiviert. Schreiben, Sortieren und Listen machen waren schon immer mein Ding. Und als mir klar wurde, dass ich keinerlei Informationen zu veganer und tierversuchsfreier Kosmetik finden konnte, entschied ich mich, diese Informationen einfach selbst zusammenzutragen. Und natürlich mit Allen zu teilen. Ich schrieb täglich mehrere Unternehmen an und bat sie um Stellungnahme zu den Inhaltsstoffen ihrer Produkte und zu Tierversuchen.

Aus meiner Leidenschaft und dem Eifer, das alles so akkurat und vollständig wie möglich zu machen, entstand irgendwann ein Job als freie Redakteurin und Bloggerin. Es machten sich plötzlich Türen auf, die ich niemals für möglich gehalten hätte.

Zu dieser Zeit herrschte Goldgräberstimmung im Blog-Marketing-Bereich. Es gab weniger klare Regeln und Gesetze. Von Begriffen wie DSGVO hatte damals Keine*r gehört. Ich bin mir sicher, hätte ich damals nicht so viel Gewissen gehabt und hätte ich generell mehr Mut gehabt, ich hätte so einiges an Geld verdienen können. Ich will mich nicht selbst damit loben. Es ist gut, dass ich nie ein shady Geschäft eingegangen und integer geblieben bin. Aber es ist auch ein bisschen bedauerlich, dass ich nie den Antrieb und die Kraft hatte, mehr aus Allem zu machen. Nicht nur im finanziellen Sinne. Auch was das Sammeln von Erfahrungen angeht. Denn letztendlich war und bin ich schon immer ein introvertierter Mensch gewesen, der soziale Events lieber abgesagt hat anstatt sie zu erleben. Jetzt im Alter von 34 Jahren, würde ich besonders dahingehend einiges anders machen wollen.

Ganz viel Entwicklung, dank euch

Nach nun 13 Jahren Vegan Beauty Blog kann ich sagen, dass ich definitiv mit dem Projekt erwachsen geworden und gleichzeitig aus ihm herausgewachsen bin.

Mit mir gewachsen seid ihr. Ich merke das immer wieder, wenn ihr mir nach so langer Zeit eine Nachricht auf Twitter oder Instagram hinterlasst und wir ein wenig in “alten Zeiten” schwelgen oder ihr mir einfach kurz schreibt, was der Blog oder meine YT-Videos damals für eine große Bedeutung für euch hatten. Diese Wertschätzung rührt mich immer wieder. Ich verdrückte in all den Jahren schon öfter ein paar Tränen wegen euch.

Es ist mir bis heute stets unbegreiflich geblieben, dass das was ich schreibe oder sage von so Vielen gehört oder gelesen wurde. Der Vegan Beauty Blog war viele Jahre lang der größte vegane Kosmetikblog im deutschsprachigen Raum. Ich hatte deshalb Interviews mit Radiosenders, Zeitschriften & Zeitungen und Angebote vom Fernsehen. Tatsächlich konnte ich immer wieder über meine Grenzen gehen, neue stecken und Ängste überwinden. Ich habe unendlich viel gelernt.

Was haben wir alles gemeinsam in der letzten Dekade geschafft. Überlegt mal. In 2010 hatten wir Glück, wenn wir in der letzten Ecke im Supermarkt einen schlechten Naturtofu vorfinden konnten. Der erste vegane Streukäse der rauskam, hat mMn widerlich geschmeckt und trotzdem haben wir ihn alle gegessen, weil wir hatten ja nichts. Haha.

Heute füllen vegane Produkte ganze Regaleinheiten in Supermärkten. Sogar Frischetheken gibt es. Die Auswahl ist beinahe schon überfordernd geworden (ich will mich nicht beschweren). In der Drogerie ist es mittlerweile selbstverständlich mit der Vegan-Blume zu werben. Überall ist sie zu finden. Manche Kosmetikmarken, die früher nicht im Traum daran gedacht haben, haben heute ihr gesamtes Sortiment auf vegane und tierversuchsfreie Produkte umgestellt. Es war noch nie so einfach wie jetzt vegan zu leben oder vegane Optionen zu finden.

Mein Blog ist obsolet geworden. Und das ist ein Grund zur Freude!

Proper respect

Ich habe so viel Dankbarkeit in mir. Und ich kann gar nicht anders als an dieser Stelle einige Props zu verteilen. Es wird bestimmt pathetisch, aber ich meine alles genau so.

An erster Stelle will ich allen Leser*innen danken, die so viele Jahre regelmäßig auf dem Blog kommentiert haben, mit mir in Kontakt standen und die sich all das hier immer wieder gegeben haben. Ihr habt mich in so vielen unterschiedlichen Formen unterstützt und mich online begleitet. Es gibt keine Worte dafür.

Ein großes Danke geht an meinen Mann Henrik, der mich in allen Lebenslangen unterstützt und der mich zu jedem einzelnen Event und zu jeder PR-Veranstaltung und Messe begleitet hat. Du bist so ein offener, witziger und motivierender Mensch. Ohne dich hätte ich ausschließlich Zuhause vor dem Bildschirm gehockt.

Ganz viel Dankbarkeit habe ich für Sebastian. Ihm ist nicht nur die “Kosmetik ohne Tierversuche”-App zu verdanken. Er ist auch die Person, die ich mitten in der Nacht anschreiben konnte, wenn es plötzlich einen Datenbankfehler auf der Webseite gab und von dem ich in all der Zeit viel über Webhosting, Server und Co. lernen durfte. Außerdem ist er einfach eine loyale, kluge, hilfsbereite und herzliche Person. Ich weiß, dass er noch ganz viel Großartiges in seinem Leben reißen wird.

Und dann ist da Julie. Julia Keith ist für mich die Grand Dame der Naturkosmetik. Sie hat die Blog-Welt und das Naturkosmetik-Business nachhaltig geprägt und wartet bis heute engagiert und mit neuen, sowie klugen Ideen auf. Sie war als meine Blog-Kollegin immer meine Partnerin in Crime. Ich schätze ihre Expertise. Und ich liebe und vermisse die ausgelassenen Abende in irgendwelchen Restaurants nach irgendwelchen Events. Unser Austausch war mir immer besonders wichtig. Und was hatten wir für einen Spaß!

Natürlich geht auch ein Dankeschön an alle Unternehmen mit denen ich in der Vergangenheit in irgendeiner Form zusammengearbeitet habe oder im regen Kontakt war. Besonders am Herzen liegen mir da die aktivistischen Marken, Vereine und Organisationen. Allen voran Marken wie i+m oder Amo como soy, Shops wie der phänomenale Salon Zwei in Köln, das Roots of Compassion Kollektiv oder die Naturdrogerie in Mainz und Aktivist*innen und Vereine wie Glücksrinder e.V., Cruelty Free International oder Proveg und viele viele mehr. Ihr seid einfach die Krassesten. Ihr seid Vorbild und so wichtig.

Und danke auch an dich!

Was wird aus dem Vegan Beauty Blog?

Ja, das ist die große Frage. Und die kann ich gar nicht abschließend beantworten. In erster Linie soll der Blog natürlich als Archiv und Informationsquelle erhalten bleiben. Die Listen sind sogar immer noch einigermaßen aktuell. Denn große internationale Unternehmen werden, da gesetzlich oft noch vorgeschrieben, nach wie vor irgendwo auf der Welt Tierversuche durchführen (müssen). Das genaue Hinschauen auf die vorherrschende Gesetzeslage bringt Klarheit. Und ich kann nicht ausschließen, dass ich nach wie vor ein Update diesbezüglich verfassen werde. Nur eben nicht mehr so zeitnah, wie ich es früher getan habe. –> Kategorie: Tierversuche

Kooperationen mit Unternehmen werde ich zukünftig nicht mehr eingehen. Ich möchte nur noch über vegane und tierversuchsfreie Kosmetik schreiben, wenn ich ganz ohne Leistungsdruck Bock darauf habe. Zwar ist Kosmetik nicht mehr so im Zentrum meines Lebens, aber ich beschäftige mich dennoch weiterhin damit.

Dieser Artikel wird wahrscheinlich nicht der letzte auf diesem Blog gewesen sein. Aber meine Prioritäten liegen woanders. Und ich kann nicht versprechen, ob in zwei Wochen oder in zwei Jahren das nächste Mal etwas erscheint.

Noch was Persönliches

Ich weiß, dass sich manche von euch für mein Privatleben interessieren. Und ich kann euch sagen, dass ich die letzten Jahre wahrscheinlich ähnliche Aufs und Abs wie die meisten Menschen hatte. Ich bin zeitweilig ganz schön verbittert. Zum Beispiel immer dann, wenn ich rücksichtslosen Menschen begegne. Und oft, wenn ich Nachrichten schaue. Sich in diesen Zeiten für Politik zu interessieren, ist eine ganz besondere Herausforderung für die psychische Gesundheit.

Ein paar große Veränderungen und neue Wege für mich gab es aber auch. Während der Pandemie habe ich eine Ausbildung in evidenzbasierter Phytotherapie begonnen und in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Darauf komme ich aber gleich nochmal zurück.

Eine große Sache war für mich die Diagnose Endometriose im Sommer 2021. Im Nachhinein muss ich etwas schmunzeln, obwohl es eigentlich gar nicht lustig ist. Ein Thema was diesen Blog stets begleitet hat, war die Menstruation. Ich hatte schon immer riesigen Struggle damit. Hauptsächlich unsagbare Schmerzen. Es gab Leser*innen unter euch, die mich damals mal unter einem meiner Artikel auf Endometriose aufmerksam machten. Ich hakte das Thema zu diesem Zeitpunkt ziemlich schnell für mich ab, weil ich deswegen ja bereits bei mehreren Gynäkolog*innen war. Medical Gaslighting erfahren vermutlich viele Endometriose-Betroffene. Jedenfalls: Ihr hattet all die Zeit recht. 😀 Ich habe nach 20 Jahren und 5 Gynäkolog*innen endlich meine offizielle Diagnose bekommen. WTF.
Die Erkrankung ist schlecht erforscht und nicht heilbar. Aber allein, dass ich jetzt weiß was los ist, macht so viel aus. Ich droppe an dieser Stelle mal für weitere Informationen die Seite der Endometriose Vereinigung Deutschland.

Tja. Nun. Wenn wir schon von Diagnosen sprechen: In diesem Jahr habe ich direkt die nächste “gesammelt”. Ich bin Autistin. Diese Erkenntnis ist relativ frisch. Und ich muss noch eine Menge aufarbeiten. Aber das ist in erster Linie positiv.

Hollenkraut

Schreiben, lernen, sortieren und sich in Themen verlieren. <3 Auf dem Vegan Beauty Blog scheint es ja nun schon viele Jahre durch, dass ich mich mit Kräutern beschäftige. Ich habe zum Beispiel durch meine alternativen Haarpflege-Methoden, die DIYs und durch das Studieren der INCI-Listen von Kosmetikprodukten schon einiges über die Pflanzenwelt lernen können. Aber all das Wälzen von Büchern war mir nicht genug. Ich wollte von Grund auf alles über Heilkräuter lernen, ein Fundament aufbauen und nicht nur random Wissen darüber anhäufen. Deshalb entschied ich mich Anfang 2021 für eine Ausbildung in (evidenzbasierter) Phytotherapie.

Zuvor fand bereits eine langsame Abnabelung vom Vegan Beauty Blog statt und ich hatte den ersten Gedanken, fortan lieber über Kräuter, Natur und Wald zu schreiben. Die Beschäftigung mit den Heilkräutern ist eine sehr entschleunigende und erdende Erfahrung. Ich habe während der Ausbildung mehrere kleine Bücher vollgeschrieben und alles gesammelt, was ich auch nur ansatzweise spannend fand. Meine bis dahin herrschende Schreibblockade war gelöst und der ganze Druck war weg. Wie befreiend!

Hollenkraut war geboren.

Und ich wusste: Hiermit wird alles anders. Kein Leistungsdruck beim Schreiben, kein Tracken von Zugriffszahlen, keine Werbepartnerschaften, kein shallow PR-Kram (sorry, im Nachhinein war das einfach nie meine Welt) und nicht immer aktuell sein müssen. Denn anders als ein Produkt, steht der Spitzwegerich auch noch in fünf Jahren am Gehweg rum. Ich hatte das erste Mal seit einer Ewigkeit wieder den Eindruck, etwas mit Bestand zu tun. So ähnlich ging es mir damals in 2010 als ich den Vegan Beauty Blog startete. Und das ist ein tolles Gefühl!

Ich möchte euch hiermit einladen, einfach mal auf Hollenkraut vorbei zu schauen. Auf der “Über Hollenkraut und mich”-Seite könnt ihr etwas mehr zum neuen Projekt erfahren.

Ich würde mich natürlich freuen, wenn ihr mich weiterhin online begleitet. Ob nun auf Hollenkraut, auf Twitter oder Instagram.

Danke für all eure Unterstützung in den 13 Jahren.

Wir lesen uns.